Vor 50 Jahren - Leo Schlömmer eröffnet die Dachstein-Südwand-Direttissima - Uli Auffermann Text & Bild

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Vor 50 Jahren - Leo Schlömmer eröffnet die Dachstein-Südwand-Direttissima
© Archiv Schlömmer
September 2017
Wie eine Spinne an der Decke
Vor 50 Jahren: Leo Schlömmer eröffnet die Dachstein-Südwand-Direttissima

Eines der größten Dächer der Alpen prägt ihren Charakter. Sie ist Superlativ einer Epoche des Kletterns und war Maßstab für die Überwindung des „Unmöglichen“! Zugleich gilt sie als Denkmal und alpinhistorisches Kulturgut – die Direttissima durch die Dachstein-Südwand.

Auch wenn heute bisweilen die Zeit des technischen Kletterns belächelt wird und so manche Direttissima-Materialschlacht in den Wänden der Alpen aus gegenwärtiger Perspektive zu Recht Kopfschütteln hervorruft, muss deutlich bleiben: Die Protagonisten waren oftmals auch die besten Freikletterer ihrer Zeit und beherrschten schon den 7. Grad, als der noch lange nicht in Sicht war. Und seien wir ehrlich: Wer sich in den 1960er und noch weit bis in die 1970er Jahre hinein extremer Alpinist nennen wollte, musste perfekt mit Haken und Trittleiter umgehen können. Das war damals einfach State of the Art!

Zu den Besten jener Zeit zählte der Österreicher Leo Schlömmer, Jahrgang 1937, aus Ramsau (Steiermark). Ein Hubschrauberflug über den Dachsteingipfel inspirierte den Bergführer zu der Idee, an seinem „Hausberg“, dem Hohen Dachstein (3004 m), eine Route durch den steilsten Teil der rund 900 Meter hohen Südwand und sogar durch das weit überhängende Dach in Betracht zu ziehen.

Im Sommer 1965 unternahm Schlömmer die ersten beiden Versuche zusammen mit Herbert Steinbäcker. Der nächste Anlauf dann im Herbst, diesmal mit Peter Perner, seinerzeit Hüttenwirt der Südwand-Hütte, doch ein Wettersturz zwang zum Rückzug. Zwei Jahre später ein neuer Vorstoß, den wieder schlechtes Wetter vereitelte. Dann endlich, im Herbst 1967, der erhoffte Erfolg: Leo Schlömmer überwand nach mühevollen sechs Stunden in rund 700 m Höhe das 50 Meter weit ausladende Dach! Anspruchsvollste technische Kletterei war nötig, um diese Schwierigkeiten zu meistern. Aber auch die Freikletterstellen forderten das Äußerste. Am nächsten Morgen schließlich bezwang auch Peter Perner den gewaltigen Überhang, und um 18.00 Uhr standen sie am Gipfel.
© Archiv Schlömmer
Nach insgesamt 18 Tagen und 13 Nächten, die Schlömmer bei seinen zahlreichen Versuchen in der Wand verbracht hatte, gelang ihm vom 26. bis 28. September 1967 die Durchsteigung der Dachstein-Südwand-Direttissima. Nur zwei Jahre später machte Leo Schlömmer die „Schlömmer-Perner-Route“, wie sie auch genannt wird, in nur sieben Stunden als Erster im Alleingang!
Uli Auffermann
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